Long Covid und ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom) sind ernstzunehmende körperliche Erkrankungen, die mit ausgeprägter Erschöpfung, Belastungsintoleranz (PEM), kognitiven Einschränkungen, Schmerzen und weiteren Symptomen einhergehen können.
Für viele Betroffene der Erkrankung bedeutet dies eine massive Einschränkung des Alltags und der Lebensqualität. Psychotherapie – insbesondere Verhaltenstherapie – kann hier unterstützend begleiten.
Dabei ist wichtig
Die Therapie stellt die körperliche Ursache der Erkrankung nicht in Frage.
Long Covid und ME/CFS werden als somatische Erkrankungen verstanden. Psychotherapie dient nicht dazu, Symptome zu „wegzuerklären“, sondern hilft bei der Bewältigung der Folgen.
Das Ziel ist nicht „mehr leisten“, sondern besser leben innerhalb der vorhandenen Möglichkeiten. Verhaltenstherapie kann helfen, psychische Zusatzbelastungen zu reduzieren, Selbstfürsorge zu stärken und die Krankheitsbewältigung zu unterstützen – ohne die körperliche Erkrankung zu relativieren.
Die Therapie versteht sich als achtsame Begleitung bei einer realen somatischen Erkrankung, mit Respekt vor den Grenzen des Körpers und Fokus auf Stabilisierung, Orientierung und Lebensqualität.
Keine Aktivierungstherapie und kein „Training gegen die Krankheit“
Verhaltenstherapie bei Long Covid oder ME/CFS bedeutet ausdrücklich nicht:
• eine Steigerung der Belastung „in kleinen Schritten“ gegen körperliche Grenzen
• Graded Exercise Therapy (GET)
• ein Programm zur Leistungssteigerung
• die Annahme, die Beschwerden seien psychisch verursacht
• eine Aufforderung, Warnsignale zu ignorieren
Gerade bei ME/CFS ist bekannt, dass Überlastung zu einer deutlichen Verschlechterung führen kann (PEM, Post-Exertionale Malaise). Deshalb steht in der Therapie nicht Aktivierung um jeden Preis im Vordergrund, sondern ein respektvoller Umgang mit den körperlichen Grenzen.
Worum geht es stattdessen?
Eine chronische körperliche Erkrankung bringt oft erhebliche psychische und soziale Belastungen mit sich. Verhaltenstherapie kann helfen, besser damit umzugehen, zum Beispiel durch:
Pacing und Umgang mit Belastungsgrenzen
Kräfte einteilen, Überforderung vermeiden, Stabilität gewinnen
Anpassung des Alltags an die Erkrankung
Entwicklung realistischer Strukturen und Prioritäten
Emotionaler Umgang mit der Situation
Unterstützung bei Trauer, Frustration, Angst oder Verunsicherung
Stressreduktion und Stabilisierung
Strategien zur Entlastung des Nervensystems und zur Selbstfürsorge
Kommunikation und soziale Unterstützung
Grenzen erklären, Bedürfnisse ausdrücken, Isolation entgegenwirken
Lebensqualität trotz Einschränkungen erhalten
Sinnvolle Aktivitäten innerhalb des verfügbaren Energierahmens finden